Jahresabschluss 2018

Neunhundertvierundzwanzig Stunden Ehrenamt
Der Gemeinderat zieht Jahresbilanz
 
In die Gaststätte „Am Schmittbrunnen“ in Happertshausen hat Bürgermeister Dieter Möhring am Ende der letzten Gemeinderatssitzung seine zwölf Gemeinderäte und die Mitarbeiter des Bauhofs eingeladen, um den diesjährigen Jahresabschluss zu begehen. Fast alle sind der Einladung gefolgt.
Traditionell unternimmt der Bürgermeister auch heuer einen kurzen Rückblick auf das Jahr, das bei ihm, so schickt er voraus, den Eindruck hinterlassen habe, als sei „ein Düsenjet vorbeigebrummt“. Dennoch: „Der größte Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, dass man Fehler machen kann.“ zitiert er gleich eingangs Dietrich Bonhöffer und wählt dieses Zitat zum Leitfaden seiner Emotionen angesichts so manch schwieriger Entscheidung der zurückliegenden Monate.
Und schon geht es im Eiltempo durch die Projekte des Jahres: Da stehen im Ergebnis der Arbeit des Gemeinderats – nur beispielhaft –Bebauungspläne für die Gebiete Brühlein und Götzengrund in Aidhausen sowie für die Bereiche Brünfluß, Wethgarten und Winterleite in Nassach. Der Radweg zwischen Friesenhausen und Happertshausen ist fertiggestellt und feierlich eingeweiht worden. Im Rahmen der Dorferneuerung hat der Gemeinderat ein umfangreiches Maßnahmenpaket rund um das Kirchenumfeld und der „Alten Schmiede“ in Happertshausen verabschiedet und am Rathaus in Aidhausen Dach und Außenfassade erneuern lassen. Das alte Rathaus von Friesenhausen ist saniert und einer neuen Nutzung als Jugendraum zugeführt worden. Die Kläranlage hat ein neues Gebläse und der Wasserwart ein neues Fahrzeug bekommen. Die Wassergebühren für Kerbfeld sind neu kalkuliert; die Friedhofsbenutzung und -gebühren durch Satzung neu geregelt. Im Bereich der Kaiserstraße 5 in Aidhausen hat man den Wohnungsbau vorangetrieben, und zwei Grundstücke, Dorfplatz 1 in Aidhausen und Neudeck 3 in Rottenstein, sind durch die Gemeinde erworben worden. Der Gemeinderat hat eine Waldbegehung durchgeführt, einen neuen Bauhofmitarbeiter eingestellt und den Gemeindehaushalt – wenn auch spät – verabschiedet. Der Grünschnittsammelplatz in Aidhausen ist eingerichtet. Zudem ist das Bürgerbüro in Aidhausen installiert, besetzt und eröffnet worden.
All dies und mehr zählt der Bürgermeister in atemberaubender Geschwindigkeit auf. Es bleibt auch im Anschluss kaum Zeit zum Durchschnaufen, denn nahtlos geht es weiter mit den Zukunftsplänen, die er in ebensolchem Tempo bekannt gibt: Umfangreiche Umgestaltungen stehen in Friesenhausen im Bereich Löschweiher und Marktstraße sowie am Rottensteiner Dorfgemeinschaftshaus an. An den fertiggestellten Radweg von Friesenhausen nach Happertshausen soll nun in Richtung Aidhausen ein weiteres Teilstück in Richtung Ellertshäuser See angeschlossen werden. Ein Neubau für das Feuerwehrgerätehaus in Aidhausen muss her. Die Beleuchtungssituation in Nassach muss verbessert werden, der Grünschnittsammelplatz in Aidhausen nun auch in Betrieb gehen.
Schlag auf Schlag geht es weiter, wird der Blick sodann von den regen Bautätigkeiten auf die soziale Entwicklung der Gemeinde gerichtet. Hier berichtet Dieter Möhring von den laufenden Bemühungen des Bürgerbüros um ein Marktentwicklungskonzept, von den Ideen um die Wiederbelebung der „Alten Schmiede“ und von seinen Sorgen um das soziale Angebot für die Senioren in den einzelnen Ortsteilen, das einer Umstrukturierung bedürfe. Großes Kopfzerbrechen bereitet ihm die Situation der noch in Happertshausen lebenden Flüchtlinge, für die zwar Wohnraum gesichert, darüber hinaus aber noch keine Perspektive geschaffen werden konnte.
Bei so vielen Projekten drängt sich die Frage nach den Prioritäten förmlich auf. Der Bürgermeister geht sie mit einem Gleichnis an: Schütte man zunächst Sand und hernach Kieselsteine in einen großen Topf der Möglichkeiten, so bleibe für Tennisbälle obenauf kaum mehr Platz. Nur der umgekehrte Weg sei sinnvoll, um möglichst viel Inhalt im Topf zu haben, erklärt er.
Dann wird es persönlich. Dieter Möhring bricht eine Lanze für seine Gemeinderäte, deren ehrenamtliches Engagement, so betont er, durch das bisschen Sitzungsgeld nicht aufgewogen werden könne. Eine Modellrechnung hat er aufgemacht: In dreizehn Sitzungen mit 101 Tagesordnungspunkten, hiervon (nur) 45 öffentlich, diversen Ortsterminen, einer Waldbegehung etc. hätten die zwölf Räte im Schnitt 77 Stunden, insgesamt also 924 Stunden Arbeit in ihr Ehrenamt investiert. Die Arbeit im Gemeinderat selbst sei vertrauensvoll. Unterschiedliche Meinungen seien nicht Ausdruck von Streit, sondern als konstruktive demokratische Entscheidungsfindung zu bewerten. Ein jeder könne mit den Mehrheitsentscheidungen im Anschluss auch gut leben, selbst wenn er persönlich anderer Auffassung gewesen sei.
Ein großes Lob gibt der Bürgermeister im Anschluss auch an die Bauhofmitarbeiter, die sich oft genug mit der Gewissheit „Net g’schännt is‘ g’lobt g’nug“ begnügen müssten.
Besonderer Dank geht in Anschluss an Martin Kell, der nach seiner Einstellung als Wasserwart und Klärwärter temporär zusätzlich die Bauhofleitung innegehabt hat. Es habe sich allerdings gezeigt, so der Bürgermeister, dass diese Personalunion wegen der unterschiedlichen Aufgabenstruktur und Vorgehensweise beider Funktionen erhebliche Probleme berge. Daher hat der Gemeinderat beschlossen, die Aufgabenbereiche künftig wieder zu trennen. In diesem Sinne stellt Bürgermeister Möhring nun Harald Schneider als neuen Bauhofleiter vor und wünscht ihm alles Gute bei seiner verantwortungsvollen Tätigkeit.
On top laudatiert sodann Claudia Röhner als zweite Bürgermeisterin und trägt dem Bürgermeister zur allgemeinen Erheiterung den Spitznamen „Düsenjet der Zuschüsse“ an. Sie betont, neben der unermüdlichen Arbeit, die alle Gemeinderäte zeigten, sei die umfangreiche Vernetzung des Gemeindeoberhaupts Voraussetzung für viele konstruktive Wege und gute Projekte gewesen, ohne die der Gemeinderat nicht selten „dumm aus der Wäsche geschaut hätte“. Auch dies findet allgemeine Zustimmung.
Mit besten Wünschen für den Jahresausklang und das anstehende Jahr enden die jeweiligen Redebeiträge.
Es folgt: Der gemütliche Jahresausklang bei einer zünftigen Brotzeit.

Text und Bilder Y. B.

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