Teilbürgerversammlung zur Dorferneuerung in Friesenhausen

Das Thema ist „Verkehr“
Teilbürgerversammlung zur Dorferneuerung in Friesenhausen


Verkehrsberuhigung und Psychologie – das gehört zusammen. Alles kreist um die Gedanken des Autofahrers, der durch den Ort braust – viel zu schnell und rücksichtslos. Die Friesenhäuser machen sich da von Beginn an keine Illusionen: „Denk doch mal dran, wie unsereins den Reckertshäuser Berg hochbrettert – da weißt man auch, dass es verboten ist.“
Es ist Teilbürgerversammlung, etwa sechzig Bürger sind gekommen. Hauptsächlich sollen die geplante Umgestaltung des Löschweihers und das daran angeschlossene Verkehrsberuhigungskonzept vorgestellt werden. Zum weiteren Programmpunkt „Sonstiges“ winkt Bürgermeister Dieter Möhring gleich zu Beginn seiner Begrüßung ab – er ahnt, dass das „große“ Thema den Abend hinreichend ausfüllen wird.
Stefan Conrad, Vorstand der Dorfgemeinschaft Rottenstein, gibt einen kurzen Überblick über den dortigen Stand der Dorferneuerung. Für den Felsenkeller am Friedhof seien Angebote eingeholt – Ende des Jahres gehe es los. Für das geplante Dorfgemeinschaftshaus sei die Standortsuche noch nicht abgeschlossen, die Grundstücksverhandlungen seien im Gange.
Klick zur VergrößerungFür Friesenhausen schließt Margit Rössler-Döring mit einem Rückblick an. Sie referiert noch einmal über die ersten Sitzungen der Vorstandschaft zur Dorferneuerung, über die Planungen und Arbeiten zum Jubiläumsjahr – die Willkommensschilder an den Ortseingängen, die Renovierung der alten Viehwaage, den Zugang zum Bachlauf in der Hutstraße. Dann berichtet Rossano Engel über die Restaurierungsmaßnahmen im alten Rathaus, in dem ein Jugendzentrum mit Aufenthalts- und Funktionsräumen entstanden ist.
Margit Rössler-Döring schlägt die Brücke zu den Zukunftsplänen: Der historische Ortsrundgang soll aufgewertet werden. Ein Arbeitskreis plane die Aufstellung von Informationstafeln an historisch wertvollen Plätzen im Ort. Das zweite Zukunftsprojekt ist ungleich größer: die Umgestaltung des Löschweihers und die Umgestaltung der Ortsdurchfahrt über die Marktstraße.
Der Löschweiher solle, so Landschaftsarchitektin Miriam Glanz, teilverfüllt werden. In Abstimmung mit dem Kreisbrandrat sei die notwendige Vorhaltemenge an Löschwasser festgelegt worden. Im Umkreis solle eine Multifunktionsfläche entstehen, die eine Bushaltestelle mit Wendestelle und Unterstellmöglichkeit einschließe. Im westlichen Uferbereich seien Baumpflanzungen geplant, das Ufer solle teilweise abgeflacht werden.
Lebhafter wird die Diskussion, als Miriam Glanz über die Pläne zur Verkehrsberuhigung in der Marktstraße berichtet. Diese ist im Grundsatz von allen gewünscht, doch im Konkreten gehen die Vorstellungen auseinander. Mahnen und Hinweisen sei als Konzept zur Belehrung der Autofahrer nicht ausreichend, meint jedenfalls die Mehrheit. Aus Richtung Reckertshausen kommend sind deshalb zwei versetzte, bepflanzte Einbuchtungen geplant, die die Straße sukzessive verengen und zur Drosselung des Tempos zwingen sollen. Dieses Konzept sei erprobt und zeige gute Erfolge.
Auch auf der gegenüberliegenden Seite in Richtung Happertshausen findet das Ziel, einen sicheren Querungsweg für die vom Bus aus Richtung Löschweiher ankommenden Schulkinder zu schaffen, noch uneingeschränkte Zustimmung. Dann aber wird rege diskutiert: Ein Zebrastreifen? - genügt als Querungshilfe nicht, weil er für die ortseinwärts ankommenden Fahrzeuge zu spät sichtbar wird. Ein beschilderter Geschwindigkeitstrichter? – scheitert an der kurzen Strecke zwischen Ortseingangsschild und Kreuzung. Bodenwellen? – sind außerhalb verkehrsberuhigter Wohngebietszonen rechtlich unmöglich.

Die Planer favorisieren eine Lösung mittels Verkehrsinsel, die den ortseinwärtigen Verkehr nach Süden auslenkt. Bedenken werden auch hiergegen angemeldet, weil die breiten landwirtschaftlichen Fahrzeuge mit ihren noch breiteren Schneidwerkzeugen um die Insel herum auf die Felder fahren müssten. Und auch das Problem mit der Psychologie tritt wieder auf den Plan: „Es sind doch nicht die Ortsfremden, die durchbrettern!“ ruft einer. Zustimmendes Gemurmel im Saal: Gegen den Starrsinn widerborstiger einheimischer Einzeltäter hilft – da ist man (fast) einig, nur eine bauliche Lösung, die spürbaren Schaden am rasenden Fahrzeug anrichtet.
Wer trägt die Kosten all dieser Maßnahmen? Der Bürgermeister versucht, die Befürchtungen der Anlieger zu dämpfen und präsentiert eine Modellrechnung. Wieder entsteht Gemurmel, längst nicht alle scheinen schon überzeugt. Zur Veränderung der Projekt-Priorisierung im Rahmen der Dorferneuerung verspricht Dieter Möhring: „Projekte, die Euch wichtig waren, werden nicht gestrichen!“
Geteiltes Echo findet die Fortsetzung der Dorferneuerungsmaßnahmen nach dem Ortsausgang in Richtung Reckertshausen: Die Planer stellen ein Konzept zur Aufwertung des Rottensteiner Grabens entlang der Verbindungsstraße nach Reckertshausen vor. Sie wünschen sich einen renaturierten Gewässerlauf mit punktuellen Zugangsmöglichkeiten im Uferbereich; die Stichworte „Eislaufweiher“, „Wasserspielbereich“ und „Spazierweg“ fallen. Eine Verbreiterung des Grabens soll Retentionsraum für große Wassermassen schaffen. Das löst Unverständnis aus: Wo die befürchteten Sturzfluten seien, fragt einer. Wenn sie kämen, dann doch schon im Ort bei Querung der Dalbergstraße, rufen andere. Ein Dritter hat Zweifel am Erfolg notwendiger Grundstücksverhandlungen mit den Anliegern. Miriam Glanz meint, die Maßnahme sei nur eine von vielen; viele kleine Maßnahmen seien gegenüber einer einzigen, großen in jedem Fall vorzugswürdig. Die Kapazität des Grabens sei beachtlich. Und es zeigt sich: Der Handlungsspielraum ist begrenzt, denn die Mittel für dieses Projekt sind zweckgebunden.
Und am Schluss kommt er doch noch, der Punkt „Sonstiges“: Es geht um den geplanten Radweg nach Happertshausen, um die Umgestaltung des Friedhofs und um Löcher im Belag der Straße Am Sportplatz. Nach zweieinhalb Stunden ist alles gesagt – vorerst.
Die weitere Entwicklung darf mit Spannung abgewartet werden.

Yvonne Bruckauf


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