Was macht der Historische Dorfladen

Was macht eigentlich…
…Andrea Meubs historischer Dorfladen?
 

Irgendwann im Spätsommer, als sich eine große, orange-grün-schwarz leuchtende Schwalbenschwanz-Raupe vergeblich an den verbliebenen drei Möhren unseres Gartenhochbeets satt zu fressen versuchte, hatten Andrea und ich die letzte Gelegenheit zu einem kurzen Plausch. Schnell und unprätentiös nahm sie damals das Tierchen entgegen und brachte es inmitten noch üppig vorhandener späterer Möhrenkolonien in Sicherheit.

Historischer Dorfladen   Historischer Dorfladen  
Erst ein halbes Coronajahr später bietet Mitte März die offenstehende Tür des historischen Dorfladens die Gelegenheit, mal wieder spontan bei ihr vorbei zu spitzen. Auf dem Weg nach oben fällt sofort auf, dass etliche neue, kleine Räume entstanden sind: saniert, renoviert, möbliert und dekoriert. Auch jetzt gerade hat Andrea mit ihrem Vater gerade ein neues – also altes – Möbelstück hergebracht. Neben dem eigentlichen Laden im Erdgeschoss gewähren die oberen Etagen zunehmend reizende Einblicke in die historischen Wohnräume. Die maßgeblichen Renovierungsarbeiten erledigen Andrea und ihr Vater selbst. Das Mobiliar und Dekor finden sie innerhalb eines regionalen Netzwerks aus Zuträgern und antiquarischen Geschäften, die ihre Vorlieben kennen und sich schonmal spontan melden, wenn es etwas Interessantes zu holen gibt.
Gerade werkelt Andrea an alten Wänden, hat hier historisches Fachwerk mit Lehmputz freigelegt und dort eine Tapetenchronik hervorgebracht: Unter einem ästhetisch eher fragwürdigen rosafarbenen Überzug wurden dabei nacheinander mehrere gemusterte Wandbehänge kräftigen Blautönen zutage gefördert. Ganz ihrem Motto folgend, will Andrea diese Eindrücke erhalten und die Geschichte auch dieser Wanddekore potenziellen Besuchern zeigen. Durch ein Fenster fällt der Blick in einen weiteren großen Raum im Spitzboden – noch unberührt. Das nächste Raumprojekt winkt also schon.
    
Historischer Dorfladen       Historischer Dorfladen
Ihr zähes Ringen um die Wiederbelebung des Hauses hat längst überregionalen Ruf erlangt. Kurz nacheinander hat Andrea zwei renommierte Preise bekommen: Zunächst im Herbst 2019 den Staatspreis des Bayerischen Ministeriums für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten, 2020
die Bayerische Denkmalschutzmedaille. Zahlreiche Besucher aus nah und fern hat sie seit der Eröffnung des Dorfladens bereits in Bann gezogen.
Die vielen anfallenden Arbeitsstunden zählt Andrea bei alledem nicht. Der Dorfladen ist ihr Herzensprojekt. Die zahlreichen Fenster des Gebäudes und der Ausfall der Friesenhäuser Theatersaison 2020/21 gaben ihr Impuls und Zeit zur Kreation eines ganzen Fenster-Adventskalenders. Kaum abgeräumt, hat sie die weihnachtliche Dekoration durch Ostergrüße ersetzt. Daneben beginnen mit dem Frühjahr die angeschlossene offene Scheune und der Garten ihre Aufmerksamkeit wieder stärker in Anspruch zu nehmen. Auch die Scheune hat Andrea im Verlauf der vergangenen Jahre restauriert; sie bietet ein hervorragendes Ambiente für kleine festliche Anlässe wie die alljährlichen Spendenübergaben der Friesenhäuser Theatergruppe.
Auch außerhalb ihres Dorfladens werkelt Andrea unermüdlich. Die vergangenen Jahre hat sie genutzt, sich teilweise beruflich neu zu orientieren und ihr zweites großes Hobby, die Gartenarbeit, zur Profession zu machen. So ist der Tag bereits jetzt – im kalten März – wieder mit verschiedensten Arbeiten in diversen Gärten gefüllt, die sie teils beruflich, teils privat betreut. Dazu kommen die Pflege der historischen Obstbaumplantage des Vereins Besser Gemeinsam Leben e. V. und die zeitintensive Mitarbeit am vereinseigenen Gemüseprojekt. Neben der Scheune hat sie einen Ausstellraum für Bioprodukte ihrer Gärten eingerichtet. Nebenbei hilft sie tatkräftig beim sonntäglichen Tortenverkauf im Café VeReNa und hat sich für die laufende Legislatur zur Ortssprecherin sowie Senioren- und Jugendbeauftragten von Friesenhausen wählen lassen.
Woher nimmt sie all die Zeit und Energie? Auch hier gibt sie eine typisch unprätentiöse Antwort: Es passe eben zu ihrer derzeitigen Lebensphase. Die Töchter sind erwachsen, die Eltern noch rüstig und selbständig. Ein Fernsehtyp sei sie ohnehin nicht und Bewegung an der frischen Luft liege ihr.
Und dann – es hat mitten im März gerade zu schneien begonnen –, zeigt sie mir ein ganz neues Herzensprojekt: Mitten in Friesenhausen schafft sie Raum für einen begehbaren Heil- und Kräutergarten. Sie rodet Gestrüpp und strukturiert ein ehemals verwildertes Grundstück, kämpft mit dem Efeu und erfreut sich dabei schon an der Vorstellung von der künftigen Gestalt und Nutzung des Areals.
Was wünscht sie sich? Besucher natürlich – sowohl für ihre laufenden als auch für die kommenden Projekte. „Ich möchte unter dem Dorfladen auch mal wieder einen Kaffee ausschenken.“ sagt sie.
Ob unsere Schwalbenschwanz-Raupe den Winter überstanden hat? Sie weiß es nicht. Manche Dinge kann man eben nicht beeinflussen. Aber sie hat das Nötige dafür getan.
Interview: Y. B.
Bilder: Y. B.
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