Chor aus Jena

A Joyful Song Of Praise
Chor „Jena Jubilee Singers“ bekommt Standing Ovations in St. Georg
 
In ihrer Heimatstadt Jena und Umgebung sind die Jena Jubilee Singers wohlbekannt – in Unterfranken konzertierten sie noch nie. Das änderte sich am 18. 5. An diesem Abend vor dem Sonntag Cantate zogen die etwa dreißig Sängerinnen und Sänger aus der thüringischen Universitätsstadt mit einem schwungvollen „Cantate Domino“ in die Georgskirche zu Friesenhausen ein und trafen hier von Beginn an auf ein begeistertes Publikum aus Friesenhausen, den umliegenden Ortsteilen und Gästen.
In der sozialistisch geprägten Kulturlandschaft der späten DDR waren die Jena Jubilee Singers einst Pioniere der Gospelmusik. Mit drei Sängerinnen und zwei Sängern startete Chorleiter Norbert Kleekamp im Herbst vor dem Wendejahr 1989 sein Chorprojekt, das schnell anwuchs und nach der Wende bald von der Friedrich-Schiller-Universität unter die Fittiche genommen wurde. Inzwischen konzertiert der Chor deutschlandweit, sang und singt an Nord- und Ostsee und im Alpenvorland, in Schwaben, Berlin oder in der Lausitz, und er zieht hinaus in die Welt: nach Österreich, Tschechien, Italien und in die USA, wo er bereits 2005 ein erfolgreiches zweiwöchiges Gastspiel gab und im September 2019 wieder auf Tour gehen wird. Er nimmt an Chorwettbewerben teil und produziert eigene CDs. Besonders gern besuchen die Sänger im Rahmen mehrtägiger Reisen – ihren sogenannten „Gospeltrains“ – ehemalige Chormitglieder, die es nach dem Studium in der Universitätsstadt in andere Landstriche verschlagen hat. Und so konnte auch Friesenhausen von einem solchen Zuzug profitieren und das Ensemble unter den Haßbergkamm locken.
Die Einbettung des Konzerts in einen derartigen „Gospeltrain“ mit weiteren Auftritten in Oberlauringen und Ebern und zwei Übernachtungen in verschiedenen Friesenhäuser Ferienhäusern und Pensionen ließ dem Chor Raum, auch den Ort kennenzulernen. Eine Wanderung auf die Schwedenschanze, auf der der sonnige Samstag genossen werden konnte, und ein Besuch in Andrea Meubs historischem Dorfladen durften nicht fehlen. Aus dem Ort wurden die Sänger bestens versorgt: Kaffee und Kuchen vor dem Konzert und einen herzhaften Imbiss mit selbstgemachten Aufstrichen im Anschluss organisierten zwei Teams aus den Reihen der Gemeinde um Elke May, Karin Schönewolf und Kirchenvorstand Erhard Wolf. Auf diese Weise kamen die Sängerinnen und Sänger rasch mit den Einheimischen ins Gespräch und fanden auch hierin einen herzlichen Austausch.
Wie hochwillkommen die Gruppe war, zeigte sich am Konzertabend schon beim Einmarsch, der unter dem Applaus des Publikums erfolgte, und bei der herzlichen Begrüßung durch Pfarrerin Melanie von Truchseß, die Publikum und Chor gleichsam einschloss und sogleich miteinander verband. Traditionelle Spirituals und moderne Gospel bildeten den Schwerpunkt des Programms, das trotz dieser stilistisch klaren Ausrichtung eine enorme Abwechslung bot: A cappella oder mit Instrumentalbegleitung am Piano und Schlagwerk, in großem Chor oder in kleinen Formationen wie dem Frauenseptett und dem Männersextett, erklangen ruhige und eingängige Melodien, etwa das bekannte Spiritual „Old Time Religion“ oder das vom Männersextett vorgetragene „Peace In The Valley“, um sodann von stimmgewaltigen modernen Arrangements bis hin zu Kompositionen aus dem Bereich des Gospel Rock abgelöst zu werden. Sieben ganz unterschiedliche Solisten - drei Sopranistinnen, zwei Tenöre und zwei Bässe – ließen (zum Teil wiederholt) ihre Stimmen erklingen.
Der enorme Spannungsbogen des Konzertabends fand einen seiner Höhepunkte in der konzertanten Aufführung der Gospelmesse von Robert Ray, in deren mitreißendem Credo „I Believe“ und dem lyrischen Agnus Dei „Lamb Of God“ sich die stimmungsvollen Kontraste des gesamten Konzerts bündelten. Aber auch die Einzelstücke – sei es das stimmgewaltige Spiel zwischen Solist und Chor bei „I Got A Home In-A That Rock“, die lautmalerische Zeichnung der visionären Wagenräder in Moses Hogans zwölfstimmigem „Ezekiel Saw The Wheel“ oder die stimmungsvolle, fast sinnliche Adaption von Peter Gabriels „Washing Of The Water“ rissen das Publikum mit.
Dass das Konzert für alle Anwesenden zu einem Erlebnis wurde, lag auch an den beiden Moderatoren Cornelia Zimmermann und Thomas Metz, die das Publikum charmant, kundig und augenzwinkernd durch den Abend führten und die ob ihrer biblischen Sprache durchaus anspruchsvollen englischen Texte für alle verständlich machten. Und auch das Match zwischen dem Chor und seinem Chorleiter Norbert Kleekamp, der durch Dirigat, Mimik und Gestik unermüdlich leitete, animierte, den Chor dämpfen und anschwellen ließ, um bei jedem Ton mitzufiebern und – gleichsam sichtbar – jedes Stück zu genießen, wurde im Publikum begeistert aufgenommen. Folgerichtig gab es Standing Ovations und wurden umgehend Zugaben eingefordert, als der Chor nach eineinhalb Stunden mit einer fetzigen Version des bekannten Spirituals „Ev’rytime I Feel The Spirit“ sein Programm schloss. Und die Jubilee Singers gaben dem Publikum zwei echte „Hits“ hinzu: zunächst das „Theme“ aus dem Musical „New York, New York“ und – wiederum ein letzter Kontrast hierzu – eine vielstimmige, klassische Version des bekannten Spirituals „Down By The Riverside“. Mit diesem Lied zog die Gruppe durch das stehende und begeisterte Publikum aus der Kirche aus.
Und weil Sänger eben Sänger sind, erklang – fernab des offiziellen Konzerts – in einem Friesenhäuser Ferienhaus noch bis drei Uhr dreißig nachts stimmungsvolle, lyrische und mitreißende Musik, ehe der Chor sich am Sonntagvormittag aus Friesenhausen verabschiedete.

Text: Y.B.
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