Ehrenabend 2018

Die wichtigsten Dinge kann man nicht kaufen:
Liebe, Gesundheit, Familie und das Ehrenamt!
Der gemeindliche Ehrenabend und Neubürgerempfang 2018
 
Wo genau die Idee einer Verknüpfung der Ehrung der Ehrenamtlichen und des Neubürgerempfangs entstanden war, teilte Bürgermeister Dieter Möhring in seiner Laudatio anlässlich des neu aus der Taufe gehobenen Veranstaltungsformats nicht mit. Das Ziel aber machte er schnell klar: einen regen und informativen Austausch der neu hinzugezogenen Einwohner nicht nur untereinander, sondern auch mit den Etablierten zu erreichen, und zwar vor allem mit jenen, die sich in besonderer Weise um die Gemeinde verdient machen. Gemeinsam mit mehreren Gemeinderäten lud er am vergangenen Freitagabend in das ansprechende Ambiente der Pfarrscheune zu Nassach ein.

Nicht nur Straßen, Gebäude, Bäume, Arbeitsplätze oder Feste, so der Bürgermeister einleitend, machten eine Gemeinde aus, sondern vor allem das Engagement der Bewohner. Auf Vorschläge aus allen Gemeindeteilen wurde zahlreichen Mitbürgerinnen und Mitbürger für ihr Engagement ein imaginärer roter Teppich ausgerollt. Eines machte Bürgermeister Möhring dabei von Beginn an klar: Er könne den fleißigen Wohltätern versichern, dass ihr Engagement wahrgenommen und gewürdigt werde. Gleichwohl könnten alle Geschenke des Abends ihre Leistungen nicht aufwiegen.
Im Beisein des Kreistagsabgeordneten Thomas Wagenhäuser, Pfarrerin Melanie von Truchsess‘ und Pfarrer Jaroslaw Wochs durften sich zunächst fünf Auserwählte für ihr ehrenamtliches Engagement in gemeindlichen Vereinen über Lob, Anerkennung und kleine Geschenke freuen:


Christian Günther aus Aidhausen übernahm in schwierigem Fahrwasser den TSV Aidhausen und leistet seit Jahren als dessen Vorsitzender hervorragende Ehrenarbeit. Der Verein, so Möhring, sei nun auf einem guten Weg. Der Vorsitzende wirke dabei ganz im Sinne eines berühmten Ausspruchs Harry S. Trumans: Erstaunlich sei, was man erreichen könne, wenn man sich nicht darum schere, wer die Anerkennung dafür bekomme. Christian Günther, als Familienvater zudem privat mit der schweren Erkrankung seiner Tochter konfrontiert, sei durch sein beispielgebendes Verantwortungsbewusstsein in der Vereinsarbeit ein großes Vorbild.
Hans-Peter Fuhl aus Aidhausen war langjähriger Vorsitzender der dortigen Eigenheimer-Vereinigung. Er hat diese mitbegründet und seit den Gründerjahren immer weiterentwickelt. Von praktischen Hilfen wie der Vermittlung von Holzspaltern bis hin zur Konsultation bei rechtlichen Problemen habe er, so Bürgermeister Möhring, die ganze Bandbreite der notwendigen Aufgaben herausragend bewältigt.
Nicole Pendic aus Friesenhausen ist die „gute Seele“ des SV Friesenhausen. Unaufgeregt und unermüdlich koordiniert sie die Helferlisten, die anlässlich der zahlreichen Vereinsveranstaltungen – Theater, Maibaumaufstellen, Straßenfest, Kirchweih etc. – über das Jahr mit Leben erfüllt werden müssen. Zudem füllt sie oft die Lücke in der Küche und steht – etwa bei der Kirchweih – das gesamte Wochenende im Vereinsheim, ihrem „zweiten Zuhause“.
Norbert Burger ist seit Jahren für den TSV Aidhausen als Schiedsrichter unterwegs und im Einsatz. Für den Sportplatz-Betrieb ist er unverzichtbar. Und immer zu ertragen, was einem da an den Kopf geworfen werde, so Möhring in seiner Laudatio, sei allemal anerkennenswert.
Werner Friedrich aus Happertshausen war lange Jahre Vorsitzender des dortigen Obst- und Gartenbauvereins. Der OGV ist vor allem in Happertshausen überaus aktiv. Er betreut zahlreiche Streuobstwiesen und macht immer wieder auf sich und seine Arbeit aufmerksam – etwa beim jährlichen Apfelpressen.
Auch für besonderes Engagement als Gemeindebürger wurden verschiedene Personen geehrt:
Horst und Ilse Heumann pflegen seit Jahren einen öffentlichen Grünbereich am Ortseingang von Aidhausen. Bürgermeister Möhring hob hervor, dass die fortlaufende Pflege der durch Dorferneuerungsmaßnahmen und Flächenentsiegelung gewonnenen öffentlichen Grünflächen der Gemeinde zunehmend Sorgen bereite. Hier komme man mit Verordnungen nicht weiter; es helfe nur, dass Menschen sich kümmern. Umso wertvoller sei das Einzelengagement der Eheleute Heumann. Und der Bürgermeister gab auch seiner klammheimlichen Hoffnung Ausdruck, durch die Würdigung und das kleine Geschenk die beiden rüstigen Senioren noch ein Weilchen zum Weitermachen bewegen zu können.
Ebenfalls um das Erscheinungsbild ihrer Ortsteile verdient gemacht haben sich Stefan Conrad, Manfred Zuber und Edwin Höchner, die bei der Sanierung der Friedhöfe in Friesenhausen/Rottenstein, Kerbfeld und Nassach kräftig mit anpackten. Friedhöfe sollten, so hob Bürgermeister Möhring hervor, nicht nur ein Ort der Trauer, sondern – mit einigem Abstand – auch ein solcher der Freude sein. Wer wissen wolle, wie die Menschen leben und wie sie ihr Umfeld gestalten, müsse sich ihre Friedhöfe anschauen. An Kritik für die umfangreichen Baumaßnahmen der Ortsteilfriedhöfe habe es in der Vergangenheit nicht gemangelt. Die Geehrten hätten sich indes nicht entmutigen lassen und durch ihren Einsatz dazu beigetragen, dass diese Maßnahmen überhaupt möglich und erschwinglich geworden seien.
In Happertshausen rege tätig ist Anna Krug. Sie hat sich über ihre zahlreichen, breit gestreuten Tätigkeiten große Verdienste für den Zusammenhalt der Dorfgemeinschaft erworben. Langjährig ist Anna Krug etwa im Obst- und Gartenbauverein engagiert, leitet Gottesdienste, wirkt als Lektorin, organisiert den Mittwochskaffee der Seniorinnen und Senioren im Kindergarten und hilft beim Martinsumzug. „Du erwischst alle!“, sprach Möhring anerkennend aus; „die Vielfalt der sozialen Projekte in Happertshausen sind auch das Ergebnis Deines Engagements.“
Eine regelrechte „gute Seele“ ist auch Renate Guthardt aus Nassach, die – so wird es später umschrieben – „einfach immer für alle da ist“. Renate Guthardt kümmert sich geduldig und intensiv um die Menschen im Ort, geht zu Neubürgern und Alleinstehenden und holt sie aus ihren Häusern heraus in die Dorfgemeinschaft. Mit Rat und Tat steht sie selbstlos zu jedermanns Seite und wirkt im Ort auch kulturell vielfältig mit – etwa bei der Theatergruppe oder im Chor „Singing Sisters“.
Vor allem auf kommunalpolitischer Ebene hat sich Hildegard Bayer große Verdienste erworben. Oft werde, so Möhring, vergessen, dass auch die Gemeinderäte der kleinen Gemeinden ehrenamtlich tätig seien und viel Freizeit in ihre Aufgabe investierten. Hildegard Bayer habe dem CSU-Ortsverband der Gemeinde Aidhausen hervorragende Dienste geleistet. Sie sei parallel auch im Kreistag und der Kirche aktiv und durch ihre langjährige Arbeit ein großes Vorbild für junge Leute, die manchmal zähe politische Arbeit nicht alsbald wieder hinzuwerfen, sondern sich durchzubeißen und so für die Gemeinde viel Gutes zu leisten.
Harald Derra hat sich nicht nur durch seine berufliche Tätigkeit als Gemeindemitarbeiter – hier gelte: „Net g‘schännt ist g‘lobt genug“ -, sondern durch seine ehrenamtliche Mitwirkung in der katholischen Kirche große Verdienste erworben. In den zurückliegenden Vakanzzeiten und während der jüngeren Umbaumaßnahmen sei er, so Bürgermeister Möhring, oft besonders gefordert gewesen. Er sei der „gute Geist“ der katholischen Kirchengemeinde Aidhausen. Und auch Pfarrer Woch ließ es sich nicht nehmen, zu dieser Leistung nochmals persönlich zu gratulieren und für sie zu danken.

Lob, Dank und Anerkennung erhielten Heinrich Grünewald, Armin Lutz und Andrea Meub für ihre – ganz verschiedenen - Verdienste um die gemeindlichen Dorfläden.
Heinrich Grünewald führte gemeinsam mit seiner Frau bis vor kurzem den Dorfladen in Happertshausen. Der Laden sei ein reges Zentrum des Ortes gewesen, so Bürgermeister Möhring in seiner Laudatio. Hier habe man lange Zeit die Zeitung noch zentral abgeholt. Nun sei der Laden geschlossen, und es gelte einmal mehr: Der Wert eines Menschen werde oft erst erkannt, wenn er eine Lücke hinterlasse. So gebe es nun den Dorfladen zu Happertshausen nicht mehr, doch möge es – so der Bürgermeister – den Geehrten selbst noch sehr, sehr lange geben.
Armin Lutz führt den Dorfladen in Kerbfeld. Bürgermeister Möhring erinnerte hier zunächst an die Lebensleistung der Eltern des Geehrten, die vier Kinder, darunter mehrere schwer erkrankte, großgezogen hätten. Mit diesen schwierigen Rahmenbedingungen und seiner großen Leidenschaft für die Kunst sei es umso bemerkenswerter und gewichtiger, dass Armin Lutz auch die Kerbfelder und ihre Brötchen nicht vergesse und die Versorgung im Dorf sicherstelle.
Der historische Dorfladen von Andrea Meub stellt keine Brötchen her, sondern bildet als lebendiges Museum das Geschehen in einem Dorfladen vor fünfzig Jahren ab. Andrea Meub hat das einst marode, aber geschichtsträchtige Gebäude, das bereits zum Abriss freigegeben und auch schon zum Abtransport ins Freilichtmuseum nach Fladungen vorgesehen war, gemeinsam mit ihren Eltern erworben und umfangreich saniert. Hier sei neben viel Herzblut und Arbeit auch viel Geld investiert und auch ein touristischer Anziehungspunkt geschaffen worden.

Seit drei Jahren haben sich – nach schweren persönlichen Schicksalsschlägen – drei rüstige Seniorinnen aus Aidhausen, Erna Kaiser, Erna Heusinger und Ingrid Mees – zu einer Kochgemeinschaft zusammengeschlossen. Aus der ursprünglichen Idee, regelmäßig ein gemeinsames Mittagessen in der Aidhäuser Mehrgenerationenwerkstatt anzubieten, von dem die Kinder nach der Schule profitieren könnten, wurde ein fröhlicher Seniorentreff. Jeder, der sich am Tag zuvor anmeldet, kann mitessen. Das Projekt der drei so geehrten Damen ist bereits mit dem Vinzenzpreis und dem Ehrenpreis „Zeichen setzen“ der Mediengruppe Mainfranken ausgezeichnet worden. Und Nachwuchs beim Kochen, so Bürgermeister Möhring, stehe auch schon bereit.




Ohne Willi Gehrig bliebe es in der Gemeinde häufig still. Als Organist und Unterhalter am Akkordeon belebt und umrahmt er zahlreiche Feste und Feierlichkeiten. Ob Seniorentreff oder Fasching – er trage immer zur guten Laune bei. Daneben unterstütze Willi Gehrig auch unermüdlich die musikalische Nachwuchsarbeit auf Dekanatsebene. Hierfür konnte Bürgermeister Möhring den Geehrten nicht nur mit einem gemeindlichen Präsent, sondern auch mit der Ehrenamtskarte des Landkreises Haßberge in Gold auszeichnen. „Ich bin Organist, ich hab‘ Geld genug!“ quittierte der Geehrte in bekannter lustiger Manier die unverhoffte Ehrung und schickte noch eine seiner zahlreichen Anekdoten zur allgemeinen Erheiterung hinterher.




Dem Ruf des Bürgermeisters gefolgt waren auch mehrere verdiente Blutspender. Dieter Möhring betonte die Selbstlosigkeit ihrer fortlaufenden Hilfeleistung, niemals wissend, wem genau diese später zugutekomme. Zwischen 75 und 150 Blutspenden hatte jeder der Erschienenen bereits auf dem Spenderkonto, eine beachtliche Leistung, erklärte der Bürgermeister und gab gerne den Aufruf an alle weiter, am kommenden Dienstag zur Blutspende in die Grundschule Aidhausen zu kommen.





Für besondere Leistungen wurden die Rassetaubenzüchter Johannes Reuter und Kurt Röhner geehrt. Man solle, so Bürgermeister Möhring in seiner Laudatio, nicht von der kleinen Gestalt der Taube auf ein geringes Maß an Aufwand für deren Zucht schließen. Hier in der „oberen Liga“ mitzuspielen, erfordere ungeheure Arbeit und „verdammt viel Zeit“. Und in der „oberen Liga“ spielen die beiden Geehrten als mehrfache Deutsche Meister – weitere Titel, so der Bürgermeister, würden sicher noch folgen – ganz sicher mit.

Für besondere Leistungen – wenngleich nicht im Ehrenamt – wurden auch Marco Schüssler und Georg Lutz aus Aidhausen ausgezeichnet, die als Auszubildende sehr gute Berufsabschlüsse erzielten. Marco Schüssler hat für die Firma Regiolux aus Königsberg, als Technischer Produktdesigner die Abschlussprüfung als Innungsbester der Region Mainfranken absolviert. Georg Lutz, Auszubildender bei der Firma WBC in Sulzfeld, erzielte in der Ausbildung zum Holzmechaniker in der Fachrichtung Möbelbau den ersten Platz. Bürgermeister Möhring hob in seiner Laudatio hervor, wie wichtig die Ausbildungszeit auch für die persönliche Reifung junger Menschen sei. Die beiden Geehrten hätten diese Zeit in beeindruckender Weise zur Erreichung von Bestleistungen genutzt. Der Bürgermeister verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, dass diese Leistungen die beiden jungen Leute nicht in die Welt hinaustragen möge, sondern dass sich beide für den Verbleib in der Gemeinde entscheiden werden.

Nach so vielen Ehrungen nahm sich der anschließende Neubürgerempfang beinahe zaghaft aus. Von den rund 50 Zugezogenen des letzten Jahres waren leider nur wenige der Einladung des Bürgermeisters nach Nassach gefolgt. Dieter Möhring hieß die Neuen willkommen, hob die Vorzüge der Gemeinde und der gesamten Region hervor und verlieh seiner Hoffnung Ausdruck, die Neuen mögen lange bleiben. Zudem ermunterte er sie, nicht nur teilzunehmen und sich einzubringen, sondern auch ihre bisherigen Erfahrungen kritisch gegen die hiesigen Gebräuche zu setzen. Willkommensgeschenke und Informationsmappen, die den Einstieg in das Gemeindeleben erleichtern sollen, wurden verteilt. Frei nach Goethes „Osterspaziergang“ im „Faust“ beschloss der Bürgermeister seinen Willkommensgruß mit der Zeile: „Bei uns darf man Mensch, und hier darf ich(`s) sein.“
Für die weitere Zukunft der Gemeindearbeit hob Bürgermeister Möhring nochmals die Bedeutung des in diesem Sommer gegründeten Dorfbüros unter Leitung von Christine Fesel hervor, die als Ansprechpartnerin für alle Bürger in allen erdenklichen Angelegenheiten fungiere. „Rufen Sie sie an, sie kommt.“ ermunterte er die Anwesenden.
Großer abschließender Dank galt der Pianistin Jutta Meierott, die den Abend mit flotten und besinnlichen Stücken feierlich umrahmte. Der Rest des Abends galt dem erklärten Ziel der Veranstaltung: sich kennenzulernen und auszutauschen.



Text: Y. B.
Bilder: S. C.

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