Theater die Jungen Gaukler 2018

…Wirklich hilft nur Frauenpower!
Junge Gaukler begeistern im Sportheim Friesenhausen


Sieben junge Darsteller verkörpern als „Junge Gaukler“ die Zukunft der Gauklertradition in Friesenhausen. Wiewohl erst zwischen 17 und 25 Jahren alt, haben die meisten von ihnen schon die eine oder andere Theatersaison hinter sich und kennen Bühne, Nervosität und Lampenfieber. Nun haben sie zum Abschluss der diesjährigen Gaukler-Theatersaison ihren Einakter „Familie Vereinsmeier“ aufgeführt.
In rasendem Tempo besetzt war während der im Januar angelaufenen „Gaukler“-Spielrunde die Gästeliste für die Zuschauerplätze im Sportheim. Seit Weihnachten hat das junge Ensemble nicht mehr geprobt; erst eine Woche vor der Aufführung fanden sich die Mitspieler wieder zusammen und sahen sich gleich mehreren neuen Herausforderungen gegenüber: der Hitze der Deckenstrahler, einem spiegelverkehrten Bühnenbild und dem großen Zuschauerraum, der ganz neue akustische Anforderungen mit sich brachte. „Und wir sind ja im Vorfeld schon so gelobt worden“, sagt Anna-Sophie Schuhmann im Anschluss, „das hat einen enormen Druck gemacht.“
Und so scheint auch Stefan Conrad zunächst bemüht, die Erwartungen nicht zu hoch hinaus wachsen zu lassen. Es seien Talente, sagt er, allesamt Laienschauspieler, fügt er hinzu. Der erste Auftritt vor so großem Publikum überhaupt. Also wenn mal etwas nicht ganz perfekt sei…
Und dann ist es – perfekt.
Der Plot ist schnell berichtet: Monika (Clara Schuhmann) und Cornelius (Max Buchner) müssen wegen einer ungeplanten Schwangerschaft ihren Hochzeitstermin vorverlegen und stoßen bei der Terminfindung auf ungeahnte Schwierigkeiten in Monikas Familie. Vater Heinrich (Florian Buchner) als dritter stellvertretender Kommandant der Feuerwehr, Bruder Kurt (Simon Sauerteig) als Mitglied der Fußballmannschaft und Opa Meier (Rossano Engel) als Kriegsveteran haben einfach zu viele fixe Termine, zwischen denen partout kein Platz für eine Hochzeit bleibt. Den letzten verfügbaren Tag besetzt Mutter Elise (Anna-Sophie Schuhmann) mit einem Treffen der Landfrauen. Es beginnt ein zähes Ringen um den Vorrang der jeweils persönlichen Vereinsmeierei, das über eine Stunde lautstark auf der Bühne ausgetragen wird, und in dessen Quintessenz die Botschaft steht, dass – genderunabhängig – ein Vereinsvorstand (zumal vom ganzen Bezirk!) auch in der familieninternen Hierarchie einen Kassier, Exerzitienmeister oder Schriftführer allemal locker abhängt.
Von Beginn an und im Verlauf des Stückes fällt eines auf: Es gibt keinen Mitläufer in dieser Gruppe, keine Randfigur. Jeder Spieler schafft es, seiner Figur sofort Leben einzuhauchen und sie für das Gesamtgeschehen unentbehrlich zu machen. Die Schwestern Schuhmann und die Brüder Buchner formen zwei perfekt aufeinander abgestimmte Pärchen. Da wird geweint, gequengelt, gemotzt, gezickt, gebrüllt, gezetert und jede denkbar negative Stimmung genüsslich durchexerziert. Die Intermezzi, die Simon Sauerteig und Rossano Engel als Junior und Senior durch Lamentieren, Telefonieren und Exerzieren in diesen Stimmungslauf einstreuen, wirken nahezu slapstickartig. Zur Überraschung gerät die Rolle der Nachbarin Erika (Tamara Pendic), die als letzte zum Ensemble hinzutritt. Das von ihr initiierte Frustrationsbesäufnis mit Mutter Elise (in echt: sechs Gläser „Hugo“!), souverän versetzt mit hemmungslos laut wie falsch eingestreutem Volkslied- und Schlagergegröle, wird ein absolutes Highlight des Stückes.
Regisseurin Doris Hofmann und ihre Assistentin Christine Lutz können stolz sein auf ihre „Jungen Gaukler“. Es gibt keine verschüchterten, zögerlichen Gesten, kein scheues Zurückweichen, keine verschränkten Hände und keine roten Gesichter. Einzig die noch hellen Stimmen zeugen von der Jugendlichkeit der Darsteller. Sie stürzen sich voller Hingabe und ohne Hemmungen ins Geschehen. Und wenn da Nervosität ist – zum Publikum dringt sie nicht durch.
Es zeugt von wahrem Team-Spirit, dass sich die „Fahrenden Gaukler“ für diesen Nachmittag vollzählig ganz unprätentiös als Servicekräfte zur Verfügung stellen. Sie haben Unmengen verschiedenster Kuchen und Torten für die Gästeschar gebacken. Die ganze „Mannschaft“ bedient zudem nonstop am Buffett oder im Saal. Sie gewährleistet damit nicht nur dieselbe anheimelnde Atmosphäre, die – durch die Hilfe vieler fleißiger Hände aus den Reihen des Sportvereins – auch ihren eigenen Vorstellungen eigen ist, sondern bekundet auch ein hohes Maß an interner Unterstützung der kommenden Schauspielergeneration, ganz ohne große Worte. Ob sie sich in einzelnen der jungen Leute wiederentdecken – wer weiß?
Mit einer Nachholvorstellung der „Fahrenden Gaukler“ endet nun die diesjährige Friesenhäuser Theatersaison. Die Schauspieler können durchschnaufen. Wir, die Zuschauer, sind gespannt, womit sie uns im nächsten Jahr verzaubern werden.

Yvonne Bruckauf

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