Adventsbasar in Aidhausen

Kränze, Karten, Kerzen
Adventsbasar in Aidhausen

Klick zur VergrößerungGabi Schüßler ist nicht leicht zu finden.
Über drei Wegweisende vor und im Mehrgenerationenhaus kämpfe ich mich mühsam durch immer neue Besuchergruppen bis in die Küchenecke der Werkstatt, doch dort heißt es erst einmal: „Die Gabi ist wieder unten, bei den Bratwürsten.“
Also wieder hinunter über die hübsch dekorierte Treppe nach draußen. Dort
erwarten mich ein Lächeln und ein entschuldigendes Achselzucken: „Schon wieder oben.“
„Wieder oben“ ist Gabi Schüßler dann endlich gefunden.
Sie führt mich dorthin, wo man ruhiger sprechen kann – also gleich wieder nach unten.
Während meiner queren Wege hinauf und hinunter habe ich bereits rund zwanzig Besucher getroffen, die ihre Einkäufe stolz und zufrieden nach draußen trugen. Es ist zehn nach sechs, und der Basar läuft seit – genau: sechs Uhr. Ich ahne: Man muss schnell sein, um auf dem Aidhäuser Adventsbasar etwas zu erobern. In der Werkstatt wimmelt es nur so von Menschen jeder Altergruppe, und die Stehtische unter dem Zelt im Außenbereich sind ebenfalls schon gut besetzt. Es duftet nach Bratwurst und Glühwein. Klick zur Vergrößerung
Hinter der Bratwurstbude am Fuße des Gemeindehauses, finden wir zwischen Umleitungsschildern und Eimern ein Fleckchen zum Reden. Gabi Schüßler berichtet mir vom Partnerschaftsprojekt der Pfarrei Aidhausen/ Happertshausen/ Friesenhausen mit der katholischen Gemeinde N’Diebel im Senegal, das Anlass für den Adventsbasar gab und gibt. Seit Ende der 1980er Jahre, so erzählt sie, führe man diesen Basar nun jährlich durch und spende den Erlös in die Partnerschaft. Seit einigen Jahren habe man den ursprünglichen Basar um die Außenanlagen mit Bratwurst- und Glühweinstand erweitert, das komme sehr gut an (und das sieht man!). Der Erlös vergangener Jahre sei im Senegal in den Bau einer Kapelle und eines Schwesternhauses geflossen. In diesem Jahr komme er einem Internat der Partnergemeinde zugute, in dem Mädchen und Jungen eine ungestörte Ausbildung unter dem Dach der Kirche ermöglicht werde. Der dortige Pfarrer sei mit der hiesigen Gemeinde eng verbunden und komme jedes Jahr zur Urlaubsvertretung nach Aidhausen. In diesem Jahr habe er über ganze acht Wochen die Vakanz zwischen der Abberufung des vormaligen Pfarrers Mariusz Falk und der Einführung des neuen Pfarrers Jaroslaw Woch überbrückt.
Klick zur VergrößerungEs ist keineswegs still hier unten. Immer wieder koordiniert Gabi Schüßler, während sie mit mir spricht: Keine Kränze mehr? Dann die an der Treppe. – Keine Verwendung für die kleinen Gläser? Dann lasst sie einfach stehen. – Keine Kränze auch an der Treppe mehr? Dann nehmen wir die von Patrizia. – Es werden noch große Gläser und eine Schüssel gebraucht? Kein Problem. – Sie verschwindet im Inneren der Mehrgenerationenwerkstatt. Kaum taucht sie wieder auf, ist den Bratwurstbratern der Senf ausgegangen. Zwei Minuten später steht sie mit zwei frischen Senftuben wieder da.
Wie der Basar organisiert wird? Man treffe sich jedes Jahr erstmals im Oktober, tausche Ideen aus und hole sich Anregungen für Verkaufsgegenstände und Dekoration im Internet. In diesem Jahr seien viele Dekorationsartikel aus Holz dabei – die seien schon mit einem gewissen Vorlauf angefertigt worden. Traditionell am Montag vor dem Basar beginne man mit dem Kränzebinden. Etwa 20 Helfer seien dieses Jahr in der Bastelgruppe gewesen, überlegt sie, und sagt augenzwinkernd: „Auch Männer werden zum Helfen mit eingespannt.“ In diesem Jahr sei die Truppe durch einige der Grippewelle geschuldete Ausfälle etwas dezimiert, aber man sei doch immerhin auf 50 Adventskränze und 20 Türkränze gekommen.
Während wir miteinander sprechen, kommen immer wieder neue Besucher aus dem Haus, die stolz ihr Erworbenes vor sich her tragen. Was denn passiert, wenn der Basar morgen wieder öffnet und alles ausverkauft ist, frage ich sie. Gabi Schüssler zuckt mit den Schultern und lacht: „Dann ist eben nichts mehr da.“
Klick zur VergrößerungZeit für mich, auch einmal einen Blick auf das Angebot in der Werkstatt zu werfen. Große selbststehende Holzsterne, Holzsterne mit Gestell, Adventsgestecke, stilisierte Tannenbäume aus Astscheiben, Tannenbäume mit aus Notenpapier gebasteltem Nadelkleid, Kerzenständer, selbstgebastelte Grußkarten der Ministranten, Marmeladen und Likör, Dekoration aus Tannenzapfen und überall Kerzen, Kerzen, Kerzen. Am Gerüstständer nahe der Tür hängen gerade noch vier Kränze.
Wem es draußen im Zelt zu kalt ist, der kann sich zum kleinen Schwatz hier oben in der wohlig warmen Werkstatt niederlassen. Eine ganze Gruppe Seniorinnen kostet inmitten der umtriebigen Atmosphäre von den angebotenen Plätzchen. Sie kommen jedes Jahr, genießen die Geselligkeit, trinken samstags Punsch und sonntags Kaffee.
Wieder unten angekommen, sind alle Stehtische im Zelt voll und es stehen Schlangen am Bratwurst- und am Glühweinstand. Rund um die am Marktplatz aufgehängte Feuerstelle toben Kinder. Es duftet.
Es ist nicht der erste Lebkuchen im Supermarkt, nicht der (noch ausbleibende) Schnee und nicht der ferne Weihnachtsmarkt in Schweinfurt oder Haßfurt, der die hiesige Adventszeit einläutet und auf das Weihnachtsfest einstimmt. Es sind kleine Anlässe, die den Zeitlauf bestimmen. Zum Beispiel die nun bald aufeinander folgenden Weihnachtsfeiern der Vereine. Die anstehenden urgemütlichen Dorfweihnachten in den einzelnen Gemeinden, seien sie noch so klein. Oder der diesjährig anstehende „Adventszauber“ in Schloss Friesenhausen. Oder eben der Adventsbasar in Aidhausen, den man – die Fortführung der Tradition ist gewiss – auch in 2017 wieder erleben kann.

19.11.2016
Y. Bruckauf

 
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